Las Vegas – Wo nichts dem Zufall überlassen ist

In Allgemein von am 27. November 2015

Las Vegas Strip

Bild: Der Las Vegas Strip ist die wohl bekannteste Vergnügungsmeile der Welt. Bildquelle: ID 20503492 © Tsui Shan So | Dreamstime.com – Las Vegas Strip at Night

Mitten in der Wüste erhebt sich eine glitzernde Landschaft, ein Ort, für den Ruhe und Beschaulichkeit Fremdwörter sind. Die Rede ist selbstverständlich von Las Vegas. 1905 wurde die heutige Casino-Stadt gegründet. Am Anfang war die Wüsten-City eher als Eisenbahnstadt bekannt. Dies hat sich mittlerweile geändert. In den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts ereilt die Stadt ein ungeahntes Wachstum und sie mausert sich Schritt für Schritt zum nationalen Glücksspielparadies der USA. Das Besondere hierbei: Die bis dato typischen städtebaulichen Regeln scheinen für die von Kommerz und Glitzer regierte Glücksspielmetropole nicht zu gelten. Architekten und Städteplaner sind zu Anfang ratlos. Dabei stellt sich heraus, dass in Las Vegas wahrlich nichts dem Zufall überlassen ist – trotz aller Regelsturheit.

Wie die Architektur von Las Vegas lernte

Aus architektonischer Sicht war Las Vegas zu Anfang uninteressant. Nichts ließe sich aus der bunten Vielfalt an Gebäuden und Infra-de-struktur an Ordnungsregeln abstrahieren, war die gängige Meinung. Für den betuchten Mann hatte das Spiele-Mekka aber durchaus seine Anzüglichkeiten, bot es doch das ideale Ventil für eine Wohlstandsgesellschaft, aus dem prekären und tristen Alltag auszubrechen. Den Ruf als Stadt der Stars und Sternchen dürfte sich die Metropole nicht zuletzt durch den unvergessenen Leinwandauftritt 1964 einverleibt haben.

Bild: „Viva Las Vegas“ ist nicht nur das Lebensmotto von Elvis Presley gewesen. Die Glücksspielstadt gilt auch als Vorbild vieler moderner Großstädte. Bildquelle: ID 32855921 © Martinmark | Dreamstime.com – Elvis look-alike impersonator and Las Vegas sign

„Viva Las Vegas“ ertönt es aus den Radios, als der womöglich berühmteste Sänger des letzten Jahrhunderts, Elvis Presley, seine Lobeshymne auf eine Stadt trällert, in der die Nacht zum Tag wird und anscheinend niemals jemand zu schlafen scheint. Kein Wunder also, dass gerade diese Destination im gleichnamigen Film des „Kings“ die Kulisse stellte. Doch blieb die Frage dennoch offen, wie genau Las Vegas eigentlich funktionierte. Nur vier Jahre nach dem Dreh machen sich die Architekten Robert Venturi und Denise Scott Brown auf den Weg in den US-Bundesstaat Nevada, um zu ergründen, worin das Geheimnis der zu Weltruhm gelangten Glücksspielstadt liegt.

Die städtebauliche Studie sollte die Welt der Architektur revolutionieren und neue Maßstäbe setzen. Maßgeblich geprägt durch die Pop-Art, führte der Weg von der Hochkultur in die Popkultur. „Learning from Las Vegas“ heißt der Titel, der vor rund 40 Jahren die Welt spaltete und noch immer nichts an Aktualität verloren hat. Noch heute sind die Bilder, welche die beiden Architekten in ihren Rundfahrten von der Stadt schossen, in der Sammlung „Las Vegas Studio“ zu besichtigen. Sie zeichnen ein nostalgisches Abbild von einer Stadt, wie sie heute keiner mehr kennt, noch bevor überdimensionale und monströse Bauten den Strip pervertierten.

Müsste man die Erkenntnisse der Studie etwas lapidar zusammenfassen, so ließe sich sagen: Aus „Less is more“ ging „Less is bore“ hervor. Dass dies unter den Verfechtern der damaligen Trivialästhetik wie ein Paukenschlag wirkte, dürfte nicht überraschen. Immerhin sah man sich auch aufgrund des Erfolgs der prototypischen kapitalistischen Spielestadt genötigt, sich mit einer kommerzialisierten Architektur, mit Bannern, Werbesprüchen und glitzernden Werbetafeln auseinanderzusetzen.

Die neue Dynamik des Betrachtens

Die Standesvertreter der gehobenen Architekturtheorie störten sich insbesondere an der Auffassung, den weltbekannten „Strip“ einzig und allein als chaotisches Spinnennetz zu betrachten, in der sich jeder verlieren sollte, der es wagt, die ordnungsfreie Straßenlandschaft zu betreten. Den Meinungen der Kritiker zur Folge würden auch für den Strip traditionelle städtebauliche Ordnungsprinzipien gelten. Schlussendlich erklärten Venturi und Scott Brown die neue „Methodik“ der Stadt vor allem damit, dass diese sich auf einen neuen dynamischen Besucher fokussiere.

  1. Las Vegas richtet sich auf den (auto-)mobilisierten Stadtbesucher aus, der seine Umwelt aus einem rollenden Vehikel heraus wahrnimmt. Dem früheren Modell, nach dem sich eine Stadt am gehenden Fußgänger orientiert und die somit zentral auf einen Platz ausgerichtet ist, wurde die Geschäftsstraße als neues Leitmotiv entgegengestellt.
  2. Durch die neue Mobilität und die lineare Wahrnehmung des Betrachters aus dem Automobil heraus war es notwendig, Zeichen und Schilder zu verwenden, die bereits aus der Ferne Aufmerksamkeit auf sich lenkten und leicht zu deuten waren. Die neue Dynamik des Stadtbesuchers wirkte demnach zurück auf die Architektur der Stadt selbst.

Durch die bildhaften Aufnahmen gelang es den beiden Architekten zu visualisieren, was sie in ihren theoretischen Ausführungen versuchten zu erläutern. Aufgrund des neuen und auf den Autofahrer ausgerichteten Stadtbilds traten historische, traditionelle Formen der Architektur zunehmend in den Hintergrund. Vermehrt wurde sich nun einer eher zweckgebundeneren Gestaltung gewidmet, welcher es oblag, sich auf die neue Kommunikationssituation einzustellen: förmlich durch bunte und an den Straßen aufgebaute Werbung. Viele der ersten Neon-Schilder können heute noch bestaunt werden – und zwar in einem extra dafür hergerichteten Neon-Museum.

Idealismus contra Realismus

Die Basis der neuen Erkenntnisse der beiden Architekten bildete ein denkbar einfaches Prinzip. Venturi und Scott Brown betrachteten Las Vegas nicht auf Grundlage moderner Ansichten, wie eine Stadt auszusehen habe. Sie setzen den idealen Werten der modernen Architektur, die in Las Vegas bloß zur Utopie gereichte, die, bildlich gesprochen, nackte Wahrheit entgegen. Der architektonische Idealismus musste dem Realismus weichen. Die Frage war nun nicht mehr, wie eine Stadt auszusehen habe, sondern wie sie sich tatsächlich präsentierte.

Als Wissenschaftler waren sich die beiden Architekten selbstredend darum bewusst, dass sie einen möglichst objektiven Blick auf das Gesicht der Stadt werfen mussten; war dies jedoch leichter gesagt, als getan. Schlussendlich wäre es möglich gewesen, die Fassade der Spielstadt einzig und allein auf kapitalistische und gewinnstrebende Begehrlichkeiten zurückzuführen. Diesem Werturteil verschloss man sich jedoch. Um den Mechanismus begreifen zu können, der den Strip formte, musste man zu einem unvoreingenommenen Sachurteil gelangen.

Bild: In Las Vegas weist nichts mehr auf die alte Wüstenstadt hin. Mittlerweile wurde die alte Eisenbahn-City von Kommerz und Glitzer überschwemmt.. Bildquelle: ID 23000323 © Photoquest | Dreamstime.com – Las Vegas sign

Auf der einen Seite lieferte gewiss die Soziologie die entscheidenden Ideen. In einer pluralistischen Gesellschaft würden folglich unterschiedliche ästhetische Wertesysteme vorherrschen können, das ästhetische Empfinden einer kulturellen Elite sei demnach keinesfalls absolut. Auf der anderen Seite lieferte die neue „Beobachtungskamera“ genau die objektiven Bilder, die, installiert auf dem Autodach, eben die emotionslosen und nicht-selektierten Bilder zustande brachte, die für eine möglichst vorurteilsfreie Bewertung des Stadtbilds so entscheidend war.

Trotz damaliger Streitigkeiten ist die Relevanz der Studie heutzutage unbestritten, erbrachte sie doch die grundlegenden Erkenntnisse darüber, wie moderner Städtebau funktioniert, geprägt durch die Automobilisierung und durch auf Konsum ausgerichtete Besucher und Einwohner. Schlussendlich öffnete sie auch die Tür, hinter der sich die architektonische Hochkultur und Popkultur aufeinander einlassen konnten. Ein Schritt, der das moderne Bauwesen und den Städtebau bis heute prägt.

Der Strip – die legendärste Spielstraße der Welt

Der Las Vegas Strip hat heutzutage nichts an Bedeutung verloren, ganz im Gegenteil. Am Rande der Straße, die mittlerweile durch das National-Scenic-Byway-Programm als All-American Road und somit als eine Art Kulturgut anerkannt wird, sind die größten Spiel- und Hotelanlagen der Welt angesiedelt. Auf einer Strecke von 6,8 Kilometern sind circa 125.000 Hotelzimmer vorzufinden. Die Hotels selbst sind mehr Themenpark denn Übernachtungsdestination. Von der Golfanlage bis zum Edelrestaurant sind die Unterhaltungsmöglichkeiten schier grenzenlos. Nicht zu vergessen sind selbstverständlich die zahlreichen Casinos, ohne die Las Vegas gewiss nicht zu der weltbekannten Vergnügungsmeile gereift wäre, die sie heute ist.

Die bekanntesten Hotel-Casinos auf dem „Strip“

Hotel-Casino

Beschreibung

Stratosphere

Das Hotel-Casino ist vor allem für den Stratosphere Tower bekannt, der mit einer Höhe von circa 350 Metern der größte Aussichtsturm der USA ist. 500 Millionen US-Dollar kostete der Bau des Gebäudes, welches neben einer Achterbahn in schwindelerregender Höhe auch ein Drehrestaurant anbietet, das in knapp einer Stunde einen panoramahaften Rundumblick über die Stadt gewährt.

SLS

Das SLS ist das sechste Hotel-Casino, welches am Strip erbaut wurde. 2011 wurde es für 415 Millionen US-Dollar grundsaniert. Neben den 1.720 Hotelzimmern können sich Gäste und Besucher auf einer Fläche von 7.900 Quadratmetern am Glücksspiel im hiesigen Casino versuchen.

Circus Circus

Bei dieser Anlage ist der Name Programm. Das als Themenpark verkleidete Hotel-Casino umfasst 3.774 Zimmer, etliche Bars und sogar einen eigenen Vergnügungspark. Auf dem zwei Hektar großen Gelände befinden sich mehrere Hotel- und Motelanlagen, die mit einer eigenen Eisenbahnlinie miteinander verbunden sind.

Encore

Das Encore bietet spielfreudigen Besuchern an knapp 100 Spieltischen und über 850 Slot-Maschinen viele Möglichkeiten, ihr Geld zu vermehren – oder zu verlieren. Neben dem Casino ist auch die riesige Außenpoolanlage bekannt, auf der in regelmäßigen Abständen große Musikveranstaltungen bekannter Stars stattfinden.

Wynn

Ohne Frage zählt das Wynn zu den besonders beeindruckenden Bauten auf dem Strip, das übrigens in Paradise, einem Vorort von Las Vegas, angesiedelt ist. Mit Baukosten in Höhe von 2,7 Milliarden US-Dollar ist es eines der teuersten Gebäude der Welt. Es beinhaltet ein 10.300 Quadratmeter großes Spielcasino. Zusätzlich findet man eine Golfanlage, eine eigene Shopping-Mall, einen See, Hochzeitskapellen sowie zahlreiche Konferenzzimmer im Gebäude, das übrigens mit 2.716 Zimmern zu den kleineren Hotels zählt, an Luxus aber kaum überboten wird. Vor allem die eigene Kunsthalle mit Werken von van Gogh, Warhol und Picasso ist einen Besuch wert.

Treasure Island

Das Treasure Island ist thematisch auf die Karibik und auf Seeabenteuer ausgerichtet. Das 4-Sterne-Hotel führt in regelmäßigen Abständen Aufführungen aus dem weltbekannten Cirque del Soleil auf und beherbergt im Casino-Bereich das bekannte Buffet „Dishes“.

Venetian Resort Hotel

Wer sich gerne einmal wie im italienischen Venedig fühlen möchte, ist in diesem Casino-Hotel an der richtigen Adresse. Neben den über 4.000 Hotelzimmern sind auf der Anlage zahlreiche Geschäfte und Boutiquen sowie ein Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds zu finden. Zusätzlich zu den Spielen im Casino dürfen sich Besucher auf Nachbildungen bekannter venezianischer Sehenswürdigkeiten freuen.

The Mirage

In diesem Hotel-Casino durften noch vor einigen Jahren die weltbekannten Auftritte des Magierduos Siegfried und Roy bestaunt werden. Noch heute sind die berühmten weißen Tiger im hauseigenen Park zu bestaunen. Highlight eines jeden Tages bildet der abendlich inszenierte Vulkanausbruch.

Flamingo

Das Flamingo ist nicht zuletzt aufgrund des riesigen Flamingo-Geheges bekannt, das man tatsächlich im Zentrum der riesigen Hotel-Casino-Anlage vorfinden kann. Das 61.000 Quadratmeter große Areal, das ganz im karibischen Stil designt ist, besitzt über 3.600 Zimmer und ein Casino auf einer Fläche von 7.200 Quadratmetern.

Caesars Palace

Im Caesars Palace ist Größe das Maß aller Dinge. Maßgeblich bekannt durch den Kinohit Hangover, findet man auf dem Areal dieser Hotel-Casino-Anlage auch das größte Riesenrad der Welt. Zudem zählt auch das innen gelegene Casino zu den größten Spielparadiesen in Las Vegas, das auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern Glücksspiele aller Art vereinigt.

Bellagio

Das Bellagio gehört zu den luxuriösesten Anlagen in Las Vegas und ist maßgeblich bekannt für die Wasserspiele, die Fountains of Bellagio, die regelmäßig auf der Hotelanlage stattfinden. Über 3.000 Zimmer, eine eigene Kunstgalerie, ein See, der sich am italienischen Comer See orientiert, sowie ein Casino gehören zum Portfolio des Hotels.

Paris

Alles im Stile Frankreichs findet man im Paris, einer Hotel-Casino-Anlage, die sich an den Sehenswürdigkeiten Frankreichs bedient. So findet man ein Imitat des Pariser Eiffelturms ebenso auf dem Gelände wieder wie ein Nachbau der Pariser Oper. Ein Fuß des Turms mündet aus architektonischer Sicht interessanterweise direkt im Zentrum des Casinos, das auf einer Fläche von 7.900 Quadratmetern zum Spielen einlädt.

Planet Hollywood Resort and Casino

Mit knapp 10.000 Quadratmetern Fläche wartet dieses Hotel mit eines der größten Casinos in ganz Las Vegas auf. Das ehemalige Aladdin beinhaltet eine eigene Ladenpassage sowie zahlreiche Edel-Restaurants.

Monte Carlo Resort

Im Monte Carlo Resort kann man vor allem eines: gut speisen. Dies gilt zumindest für all diejenigen, die auf Mc Donald’s oder Starbucks Coffee stehen. Diese Filialen finden sich nämlich zahlreich in dieser Hotel-Casino-Anlage, die auf 8.400 Quadratmetern zahlreiche Spieltische und –Slots anbietet.

New York New York Hotel

Ein Casino mit einer Fläche von 7.400 Quadratmetern ist ein markantes Markenzeichen dieses Hotels. Darüber hinaus umfasst die Anlage jedoch auch eine Nachbildung der Freiheitsstatue oder des Empire State Buildings. Um die gesamte Anlage herum ist eine Achterbahn mit zwei Loopings aufgebaut, die noch immer aktiv betrieben wird. Wie bei einem Hotel im New Yorker Stil nicht anders zu erwarten ist, gehört auch eine Shopping Mall mit bekannten Ladenzeilen aus New York zum Interieur.

MGM Grand Hotel

Das MGM Grand ist eines der größten Hotels der Welt und umfasst über 5.000 Zimmer. Zusätzlich hat das Hotel eigene Villen und Lofts im Angebot. Das MGM Grand ist häufig Austragungsort weltweit bekannter Boxveranstaltungen. Regelmäßig tritt im hauseigenen Theater der Zauberkünstler David Copperfield auf. Neben einen über 13 Hektar großen Vergnügungspark ist auch ein Casino Teil der Hotelanlage, das unfassbare 16.000 Quadratmeter umfasst.

Excalibur

Im Excalibur kommen all diejenigen auf ihre Kosten, die gerne einmal Ritter spielen möchten. Zahlreiche mittelalterliche Spiele finden hier rund um die Uhr statt. Exakt 4.008 Zimmer beherbergt das Hotel, das mit einem knapp 11.000 Quadratmeter großen Areal auch eines der flächenmäßig größten Casinos in Las Vegas stellt.

Luxor

Das Luxor zählt zweifelsohne zu den aufsehenerregenden Gebäuden in Las Vegas, was wahrlich etwas heißen mag. Das pyramidenförmige Gebäude entstammt der zeichnerischen Feder des Architekten Veldon Simpson, der die Wände der schwarzen Pyramide komplett aus Glas gestalten ließ. Direkt vor dem Hotel findet man eine Nachbildung der Sphinx von Gizeh. 4.400 Zimmer sind im Gebäude zu finden, das selbstverständlich auch ein Casino beheimatet, welches auf 11.000 Quadratmetern zu den größten in ganz Las Vegas zählt.

Mandalay Bay

Wer in Las Vegas etwas auf sich hält, war gewiss schon einmal im Mandalay Bay stationiert. Mit knapp 5.000 Zimmern darf es sich zu den größten Hotels der Welt zählen, das auf 12.500 Quadratmetern auch ein hauseigenes Casino sein Eigen nennt. Thematisch orientiert sich die Anlage am südostasiatischen Stil, umfasst mehrere autonome Turmanlagen, die separat bewirtschaftet werden und glänzt äußerlich mit einer edlen, goldfarbenen Fassade.

Auch Innenarchitektur minutiös durchgeplant

30 Millionen Besucher zählt Las Vegas durchschnittlich innerhalb eines Jahres. Knapp 90 Prozent dieser Menschen versuchen sich zumindest einmal in einer der Spielstätten, die überall in der gesamten Stadt zu finden sind. Das Glücksspiel ist die Haupteinnahmequelle der Glücksstadt. Zwischen sechs und zehn Milliarden US-Dollar nehmen die Casinos jährlich nur durch Spielautomaten und Spieltische ein. Zufall ist dies allerdings nicht.

Hinter all der glitzernden Fassade steckt nämlich ein ausgeklügeltes System. Ein bis ins kleinste Detail durchgeplantes Prinzip richtet die gesamte Innenarchitektur der Casinos darauf aus, dass regelmäßige Spieler und solche, die ihr Glück nur gelegentlich an den Spieltischen und Automaten versuchen, einen möglichst großen Teil ihres Hab und Guts investieren und am Ende der Bank überlassen.

Die große Herausforderung für Casino-Betreiber liegt darin, ihre Spielstätten auf ein möglichst breites Zielpublikum auszurichten. Grundsätzlich werden in der klassischen Casino-Theorie von Las Vegas drei verschiedene Typen von Spielern unterschieden, auf die sich das Casino einstellen muss:

  • Highroller: Sie gelten als die „dicken Fische“, die stundenlang mit großen Einsätzen an Spieltischen verbringen. Vor allem Poker und Black Jack sind beliebt. Da sie häufiger spielen, suchen sie ihr Glück in den Spielen, die sie zumindest zum Teil durch Geschick beeinflussen können. Spielautomaten sind unter diesen Spielern verpönt.
  • Gelegenheitsspieler: Diese Spieler kommen mit einem mittelgroßen Stack in das Casino und spielen nur ab und an. Sie suchen ihr Glück in der Regel an Spielautomaten und sehen das Glücksspiel als ein kultiges Ereignis an.
  • Hotelgäste: Hierbei handelt es sich um die Spieler, die im Hotel wohnen und die sich nur kurz im Casino aufhalten, meistens auf dem Weg zum Hotelzimmer. Sie spielen nur wenige Spiele mit geringen bis moderat großen Einsätzen.

Casino-Designer sind demnach bemüht, die gesamte Einrichtung auf die unterschiedlichen Besucher auszurichten. Auf den Weg zu den Hotelzimmern sind daher häufig Spielmöglichkeiten mit geringen Einsätzen zu finden, welche die Hotelgäste begeistern sollen. Highroller, die gerne ihre Ruhe an den Spieltischen haben, spielen in eher abgelegenen Bereichen des Casinos, in denen Spielautomaten und anderen Ablenkungen kaum anzutreffen sind.

Die Konzeption von Casinos endet allerdings nicht beim Design oder der Anordnung der Spielautomaten und –tische, sondern führt sich fort bis ins kleinste Detail, sogar bis zum Duft, der im Casino versprüht wird. Neuromarketing nennt sich letzteres. Bereits 1995 fand der Neurowissenschaftler Alan Hirsch heraus, dass sich Düfte direkt auf die Bereitschaft des Menschen auswirken, Geld auszugeben. In einer Studie konnte Hirsch dies beweisen. Er versprühte einen angenehmen Duft in einem Casino in Las Vegas. An den Automaten, die sich in der Duftwolke befanden, wurden durchschnittlich 45 US-Dollar mehr Einnahmen erzielt als an anderen Slot Machines.

Labyrinth versus Spielplatz

Noch immer gehen viele von einem mittlerweile veralteten Layout-Prinzip aus. Als die ersten Hotel-Casinos in Las Vegas eröffneten, wurden die Spielstätten nach einem Chaos-Prinzip gebaut und designt: Sie sollten dem Besucher möglichst lange im Casino halten. Aus diesem Grunde wurden beispielsweise Ausgänge nicht beschildert. Die Wege innerhalb des Casinos waren kreisförmig angeordnet und führten niemals aus dem Casino heraus, Fenster gab es nur wenige, um den Tag-Nacht-Rhythmus der Spieler durcheinander zu bringen, Uhren waren ebenfalls nicht vorhanden.

Dabei achteten die Designer auch auf logistische Feinheiten. Forschungen ergaben, dass der Spielautomat vor allem von Frauen genutzt wurde. Der typische Slot-Machine-Spieler war weiblich, zwischen 55 und 60 Jahre alt, hat das College besucht, besaß eine Immobilie und erzielte ein Jahreseinkommen von circa 55.000 US-Dollar. Dass auf dem Weg zum Damen-WC der gesamte Weg mit bunten Spielautomaten zugepflastert war, ist somit kein Zufall gewesen.

Statistik: Spielautomaten zählen noch immer zu den beliebtesten Casino-Spielen überhaupt. Mittlerweile erwirtschaften die Spielautomaten mehr als 70 Prozent der gesamten Glücksspieleinnahmen in Las Vegas. Bildquelle: spielhallen.com

Dieses als Labyrinth bezeichnete System ist heutzutage allerdings nicht mehr gang und gäbe. Mit dem Aufkommen von immer luxuriöseren und pompöseren Hotel-Anlagen und dem Bekanntwerden der Strukturen, die im Casino vorherrschten, wurden die Spielstätten zu gemiedenen Orten. Ein neues System musste her. Mittlerweile werden Casinos in Las Vegas nach dem Spielplatz-Prinzip aufgebaut.

Die meisten Hotels am Strip sind Themenparks und sollen dem Besucher die Angst nehmen, ihr Geld im Casino zu verlieren. Aus den lichtlosen Räumen mit flachen Decken und aufgereihten Spielautomaten sind mittlerweile echte Wohlfühl-Oasen geworden. Venezianische Statuen, weiträumige Spielstätten mit großen Fenstern, Springbrunnen und Wellness-Angebote sollen Besucher dazu verleiten, das Casino eher als eine Art Erholungs- und Spielparadies zu betrachten.

In fast allen Casinos in Las Vegas ist es übrigens üblich, nicht für seine Drinks zahlen zu müssen. Leicht bekleidete Damen durchstreifen die Räumlichkeiten und offerieren Cocktails, die aufs Haus gehen. Angetrunkene Spieler sind bekanntlich risikofreudiger. Die Cocktail-Damen ermutigen die meist männlichen Spieler zusätzlich, ihre Risikobereitschaft unter Beweis zu stellen. Ermutigung finden Spieler auch an Spieltischen. Diese sind meist zentral im Casino gelegen. Highroller können hier besser überwacht werden. Doch es gibt noch einen weiteren Vorteil: An Spieltischen gruppieren sich Spieler häufiger. Bei hohen Gewinnen entsteht eine Art überschwängliche Atmosphäre, die wiederum andere Spieler begeistert und zum Spielen verleitet.

Neue Herausforderung: Online-Casinos

Neun von zehn Las-Vegas-Besuchern versuchen sich zumindest einmal im Glücksspiel. Diese Zahlen belegen, dass die – wenn auch geringe – Chance auf das große Geld für viele sehr reizvoll ist. Dies haben mittlerweile auch Glücksspielanbieter im Internet erkannt. Die Umsätze, die durch Online-Casinos generiert werden, steigen seit 2005 kontinuierlich an. Die Einnahmen von stationären Spielbanken sinken hingegen.

Statistik: Während Online-Casinos Jahr für Jahr höhere Einnahmen erzielen, nehmen die Umsätze von Spielhallen kontinuierlich ab. Bildquelle: spielhallen.com

Las Vegas ist hiervon freilich kaum betroffen. Zu groß und faszinierend ist die Stadt, in der eben auch diejenigen zu Spielern werden, die ihr Geld niemals im Internet an einem virtuellen Spielautomaten ausgeben würden. Online-Casinos werden eher von regelmäßigen Spielern besucht. Die unkomplizierte Verfügbarkeit, auch dank moderner Smartphone-Technologie, überzeugt viele.

Dabei sieht sich das Online-Casino allerdings mit Herausforderungen konfrontiert, die in der klassischen Spielbank nicht auftreten. Die typische Spielatmosphäre, verlockende Gerüche, Cocktail-Girls, klimpernde Münzen und jubelnde Gewinner sind hier nicht vorzufinden. Um zumindest ein wenig Casino-Atmosphäre kreieren zu können, bieten viele mittlerweile Live-Spiele an.

Hier können sich Spieler in ein reales Casino zuschalten lassen. Über eine Webcam werden sie beispielsweise an einen Roulette-Tisch geleitet, an dem sie von realen Personen namentlich begrüßt werden und sich sogar mit anderen Spielern unterhalten können.

Wer einen Blick auf die beliebtesten Online-Casinos wirft, der wird aber auch schnell bemerken, dass die Betreiber bemüht sind, das Design der Website möglichst einem originalen Casino nachzuempfinden. Spieler sollen auf schnellstem Wege zum Spielen bewegt werden. Die Mittel der Online-Casinos sind dabei natürlich andere. Insbesondere Bonus-Aktionen leisten wertvolle Überzeugungsarbeit, Spieler für das Casino im Internet zu begeistern.

Bildquellen:

  • ID 20503492 © Tsui Shan So | Dreamstime.com – Las Vegas Strip at Night
  • ID 32855921 © Martinmark | Dreamstime.com – Elvis look-alike impersonator and Las Vegas sign
  • ID 23000323 © Photoquest | Dreamstime.com – Las Vegas sign
Show Buttons
Hide Buttons